Wieder einmal haben zwei atheistische Schüler Recht bekommen, die sich von einem Kruzifix in ihrer früheren Schule in ihrer „Glaubensfreiheit“ verletzt fühlten.
Zu wenig ist es, dagegen das Kreuz als Symbol von Kultur oder Tradition zu verteidigen. Die Berechtigung seiner Öffentlichkeit setzt tiefer an. Was eigentlich stört an dem Abbild von Jesus Christus, der für Nächstenliebe, Vergebung, Frieden und Hoffnung eintrat? Ist Jesus nicht selbst für diejenigen, die ihn nicht als Sohn Gottes anerkennen, ein wunderbares Beispiel für Menschlichkeit und vorbildliches Miteinander in unserer Gesellschaft?
Wer sich gegen das öffentliche Kruzifix stellt, stellt sich gegen Grundwerte unserer Demokratrie.
Auch ist mir bislang noch kein Fall bekannt, dass etwa Bilder von Charles Darwin, Johann Wolfgang von Goethe oder Rosa Luxemburg in Schulen abgehängt wurden, weil sie die Gefühle von Christen verletzten. Zahllose Christen müssen solche Bilder von Atheisten oder Pantheisten täglich ertragen. Das interessiert keinen.
Da läuft gehörig etwas schief in punkto Gleichheit vor dem Gesetz.
Interessant ist auch, dass nicht etwa Muslime auf Glaubensfreiheit pochten, sondern Atheisten. Es liegt die Vermutung nah, dass hier Schüler von Religionsfeinden wie der Giordano-Bruno-Stiftung oder der Humanistischen Union instrumentalisert werden. Denken wir daran, wie das Tanzverbot am Karfreitag gekippt wurde. Die damit verletzten Gefühle der Christen spielen keine Rolle.
All das wirft kein gutes Licht auf unsere Gerichte, wenn von ihnen die Gefühle der Christen, die den Anblick des Kreuzes wie den Karfreitag schätzen, nicht vertreten werden.
Es wird Zeit, dass Gerichte in Deutschland den Christen in ihren Gefühlen Gerechtigkeit verschaffen. Dass sie das Vorbild Jesus als Gewinn für unsere Demokratie erkennen. Und dass sie nicht demjenigen Recht zusprechen, der spaltet, sondern demjenigen, der sich unserer irenischen Ordnungsidee verpflichtet weiß.
Alle anderen verraten die Grundfesten unserer Sozialen Marktwirtschaft.
Prof. Dr. Dr. Elmar Nass
ist katholischer Theologe und Ökonom.
Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Sozialwissenschaften und gesellschaftlichen Dialog an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie.







